Die Spielvereinigung 1899 Leipzig ist ein deutscher Fußballverein aus Leipzig-Lindenau. Heimstätte des Vereins ist der Karl-Enders-Sportpark, welcher 5000 Zuschauern Platz bietet. Die Spielvereinigung war vor 1945 neben dem VfB Leipzig und dem Dresdner SC einer der erfolgreichsten sächsischen und mitteldeutschen Fußballvereine.

1899 wurde innerhalb des ATV Leipzig-Lindenau eine Spielabteilung gegründet. Diese spaltete sich 1903/04 vom ATV Leipzig-Lindenau ab und nahm fortan als „Spielvereinigung 1899 Leipzig“ sehr erfolgreich am regelmäßigen Wettkampfbetrieb teil, dabei avancierte der Verein zu einen der bekanntesten und erfolgreichsten hiesigen Fußballvereine vor 1945.

Die Jahre 1907 – 1910 war die Zeit des Aufstrebens. „Rastlos Vorwärts“ hieß der Schlachtruf. Hervorragende Spieler entpuppten sich, die den Grundstein für erfolgreiche folgende Jahre stellten: F. Mückenheim, Arthur Schulze, Gustav Hermann, Ernst Rokosch, Eduard Finzel und die Gebrüder Tauchnitz. Die Spielvereinigung wurde zu einen gefürchteten Gegner und hatte sich in den Jahren 1910 bis 1911 an die Spitze des Gaues Nordwestsachsen herangearbeitet. Ein denkwürdiges Ereignis soll hier unbedingt erwähnt werden: Am 10. Stiftungstag fand die Weihe der von den Damen des Vereins gestiftete Vereinsfahne statt.

Im Jahr 1910 errang die Spielvereinigung die erste Meisterschaft. Sie wurde Gaumeister von Nordwestsachsen. Es kam zum Entscheidungsspiel um die Meisterschaft des Verbandes Mitteldeutscher Ballspielvereine. Der Gegner war Wacker Halle. Ein Spiel, das in die Geschichte des Vereines einging. Das Spiel ging fast zweieinhalb Stunden, als endlich das 1:0 für die Spielvereinigung fiel. Diese Mannschaft, die dem Verein die erste Meisterschaft erkämpfte, verdient besondere lobende Erwähnung. Dann ging es zur Deutschen Meisterschaft. Der Gegner war der Sieger des Südostdeutschen Verbandes – Turnverein Liegnitz Dresden. In Dresden gewann man 3:1. Das nächste Spiel fand in Frankfurt a.M. statt. Der Gegner war der Karlsruher F.V. Unverdient verlor man 3:1, 2 Tore wurden nicht aberkannt. Somit die Deutsche Meisterschaft vorbei war.

1911 war ein finanziell gutes Jahr. Durch gute Spiele waren die Zuschauereinnahmen hoch. Man beschloss einen neuen Sportplatz zu bauen. Und schon im Spätherbst 1911 war in fieberhafter Arbeit der Sportplatz der Spielvereinigung fertig.

Das Eröffnungsspiel am 21. Oktober 1911 wurde das Verbandsspiel gegen den schärfsten Rivalen VfB Leipzig. Vor 2.000 Zuschauern trennte man sich 1:1. 1912/13 ging ohne größere sportliche Erfolge aus. Aber im Jahr 1913/14 gewann man fast alle Spiele in großer Form. Zum 2-mal wurde man Meister von Nordwestsachsen. Dann kam es zum 2. denkwürdigen Spiel in der Geschichte der Spielvereinigung:

„Das denkwürdige Entscheidungsspiel um diese Mitteldeutsche Meisterschaft vor einer Rekordzuschauermenge von 10.000 Personen im Sportfreundepark war ein Spiel mit noch nie gesehnen Siegeswillen unserer Mannschaft. Sie vermochte es, trotzdem das Spiel noch 5 Minuten vor Schluss 1:0 für den Gegner stand, der kein Geringerer war als der V.f.B. Leipzig, in einen Endspurt, der zu einen wahren Verzweiflungskampf um Sieg und Ehr´ auf jeden Fall auslief, noch 2:1 für sich zu entscheiden. Auf den Schultern trugen die Zuschauer die Helden des Tages vom Spielfeld.“

In den Spielen um die Deutsche Meisterschaft verlor man dann unglücklich mit 2:1 auf dem Wackerplatz Debrahof, Leipzig gegen Spielvereinigung Fürth. Dann schaffte es die Vereinsleitung einen Gegner bester Klasse heranzuholen. Kein geringerer als Celtic-Glasgow:

„Wenn auch unsere Mannschaft an das formvollendete Spiel der Ausländer nicht herankonnte, so machte sie diesen Vorteil des Gegners durch Energie, Schnelligkeit und den Willen zum Sieg wett, was dazuführte, daß die Unsrigen den Aufsehen erregenden Sieg von 2:1 über die schottischen Berufsspieler davontrugen. Dieser Pfingstsonnabend 1914 wurde zu einem der größten Ruhmestage des Vereins.“

Im selben Jahr kam es zu einer Auszeichnung für 2 Spieler. Arthur Schulze und Ernst Rockosch bestritten ihr 250. Spiel für die Spielvereinigung. Besondere Ehre für Verein und den Spieler Rockosch war als der DFB ihn zum Länderspiel gegen Holland aufstellte.

1914 – Mobilmachung! Viele Spieler dienten dem Vaterland im großen Krieg. Was sich auch bei der Spielvereinigung schnell herausstellte. Nur unter großen Aufopferungen einiger alter bewährter Mitglieder gelang es, den Spielbetrieb in bescheidenen Maße aufrecht zu erhalte. Aber auch dieser kleine Haufen schrumpfte noch zusammen. Und dann kam der schwerste Schlag! Die Spielvereinigung wurde für ein halbes Jahr disqualifiziert. Es war die schlimmste und härteste Zeit die sie je durchstehen musste. Kein Sportbetrieb – keine Einnahmen und ganz geringe Mitgliedsbeiträge. Der Zusammenbruch war nur noch eine Frage der Zeit. Aber es hätte nicht die Spielvereinigung sein müssen! Die stolze Geschichte war viel zu tief ins Herz geschrieben. Es gab Theaterveranstaltungen, gesellige Abende um Mitglieder an den Verein zu fesseln und Einnahmen zu erzielen. Zinsen, Pacht und Steuern mussten bezahlt werden.

„Den wackeren Spielvereinigungsmännern, die es fertig brachten, so den Verein über die schwere Zeit des drohenden Untergangs hinweg denen zu erhalten, die im Felde standen und nicht mithelfen konnten, sei hier in aufrichtiger Dankbarkeit gedacht.“

Nach Aufhebung der Sperre setzte der Spielbetrieb in den damals möglichen Umfang wieder ein. Im Herbst 1918 endete der 1. Weltkrieg. Die dünnen Reihen füllten sich wieder und die Getreuen der Spielvereinigung kehrten nach jahrelanger Kriegsteilnahme zu den Weiß-Roten Farben zurück. Aber mit der Freude kam auch die Trauer:

Den im Dienst des Vaterlandes gefallenen 30 getreuen Trägern der Weiß-Roten Farben für ihre aufopfernde Mitarbeit am Verein ein aufrichtiges, ewiges Habt Dank! Eure Namen bleiben uns unvergessen – eure Taten steht’s ein leuchtendes Vorbild!

Trotz alledem gelang es der Mannschaft schon im ersten Spieljahr nach Kriegsende die Gaumeisterschaft von Nordwestsachsen 1918/19 zu erringen. Doch verlor man im Kampf um die Mitteldeutsche Meisterschaft dem Dresdner Fußballring. Die Sportbewegung nahm nach dem Krieg einen nie gesehenen Aufschwung. Die Mitgliederzahlen gingen in die Höhe. Tausende zahlende Zuschauer. Es musste gehandelt werden. Das Gelände wurde vergrößert (erworben). Man errichtete 3 neue Plätze und die Zuschauerdämme wurden vergrößert. Der Spielbetrieb wurde auch erweitert. Dazu kamen: Stockball, Handball und eine Leichtathletik Abteilung. 1920 trug vornehmlich internationalen Charakter. Aussig, Karlsbad, Hakoah Wien und FTC Budapest hielten bei der Spielvereinigung Einkehr. Außerdem trug der neu gegründete jüdische Sportclub Bar Kochba Leipzig seine Trainings- und Wettkampfspiele an der Demmeringstraße aus, bis diese im Herbst 1922 ihre eigene Sportspätte an der heutigen Delitzscher Straße errichten konnten.

Nur ein Sieg – aber: es stand beste internationale Klasse gegenüber! 1920/21 gelang der ersten Mannschaft wieder der Sprung an die Spitze der Tabelle.

Der 18. Januar 1921 wurde insofern zu einem weiteren Ruhmestag der Spielvereinigung, dem nur das Schottenspiel von 1914 zur Seite gestellt werden kann, als es der 1. Mannschaft gelang, den bisher unbesiegten ungarischen Meister, MTK Budapest, in Leipzig mit 2:1 niederzuringen. Anschließend wurde vom Verein der ungarische Trainer Ludwig Banyai angestellt. Er blieb ein Jahr. Ostern 1921 errang man einen schönen Sieg gegen Boldklubben Kopenhagen in Leipzig. Es folgte eine Reise nach Ungarn mit 3 Spielen (MTK Budapest, FTC Budapest und Stein am Anger). 2 knappe aber ehrenvolle Niederlagen und ein Unentschieden waren die Ergebnisse. Es folgten 3 Spiele auf einer Reise nach Dänemark – mit einem Siegeszug von Anfang bis zum Ende und 13. 08. 1921 fand auch die Spielvereinigung Fürth in uns ihren Meister!

Seit 1911 spielte der Verein am bekannten Gelände an der Demmeringstraße. Nach Kriegsende wurde der Verein durch die Russen als bürgerlicher Verein aufgelöst und fing als SG Lindenau-Hafen neu an. Dies hielt nur bis 1949 an, da der Verein dann erneut von der Bildfläche getilgt wurde, diesmal durch Zwangsfusion zur ZSG Industrie Leipzig. Damit ist auch dieser Verein ein Bestandteil Eurer Historie, wenn auch nicht freiwillig. Nach der Wende hat sich die Spielvereinigung neu gegründet und spielt traditionell noch an der Demmeringstraße. Die Einordnung des gezeigte Logos fällt allerdings schwer, das Logo der Spielvereinigung 1899 Leipzig war ebenfalls rote Schrift auf weißem Grund, jedoch eigentlich mit der Jahreszahl 1899 untersetzt und in einer anderen Anordnung der drei Buchstaben.

Von 1943 – 1945 bildeten Tura 99 und die Spielvereinigung bereits eine Kriegsspielgemeinschaft, die unter dem Namen KSG Tura 99/SpVgg Leipzig am Spielbetrieb teilnahm. Nach Ende des 2.WK wurden alle 3 an der KSG beteiligten Vereine (Tura 99 war ja eine Fusion aus Tura 32 und dem LSV 99) wieder selbständig. Das Verbot der bürgerlichen Vereine galt zunächst in ganz Deutschland. In den 3 westlichen Zonen durften die Vereine jedoch bald wieder ihre alten Namen annehmen. Nur in der SBZ blieb das Verbot bestehen, die Vereine mußten sich zunächst als kommunale Sportgruppen organisieren. So wurde aus der Spielvereinigung (Sportplatz Demmeringstr.) die SG Lindenau-Hafen, aus dem Leipziger SV 99 die SG Lindenau-Aue (Sportplatz Merseburger Str.) und aus Tura 32 die SG Leutzsch (Sportpark Leutzsch). Nachdem die SG Leutzsch sich als Bezirksmeister 1949 für die neue DDR-Oberliga qualifiziert hatte, suchte man Verstärkungen und strebte einen Zusammenschluß der Vereine aus dem Leipziger Westen an. So kam es 1949 zu der (mehr oder weniger freiwilligen) Fusion von SG Leutzsch, SG Lindenau-Hafen, SG Lindenau-Aue und SG Böhlitz-Ehrenberg zur ZSG Industrie Leipzig. Durch die Fusion kam u.a. der ehem. SpVgg-Nationalspieler Walter Rose nach Leutzsch. Aus der ZSG schied Lindenau-Aue kurz darauf wieder unter dem Namen ZSG Industrie Leutzsch aus, wurde später die BSG Stahl Nordwest und ist heute als SV Nord-West bekannt. Die Spielvereinigung wurde zu Wendezeiten neugebildet als Fusion der BSG Motor Lindenau und der BSG Fortschritt West, die sich zu DDR-Zeiten den Sportplatz Demmeringstraße teilten.